[Rezension] Szilárd Borbély – Die Mittellosen

Ein Gastbeitrag von Ansgar Skoda

Leben ohne Wert

Mein Großvater hält die Kätzchen am Schwanz und knallt ihren Kopf gegen die mit Zement abgerundete Kante der Verandatreppe. Der kleine Körper schwingt leicht und pufft kaum hörbar, als würde man einen Lappen 42450ausschütteln. Dumpf knallt der weiche Nacken gegen die graue Zementkante. Aus dem verrutschten Maul gucken die spitzen Nadeln der winzigen Zahnreihe heraus. Unter den Lidern dreht sich kein Augapfel mehr. Der dunkle Spalt der länglichen Pupille weitet sich. (Szilárd Borbély, Die Mittellosen, Seite 93)

Der Roman Die Mittellosen des ungarischen Literaturwissenschaftlers und Lyrikers Szilárd Borbély verstört, wie kaum ein anderes literarisches Werk. Aus der kindlichen Perspektive eines Elfjährigen wird von einer lieblosen und lebensfeindlichen Erziehung in einer unzivilisierten und verrohten Gesellschaft erzählt. Weiterlesen

Preisverleihung + Runde 2

Im letzten Jahr initiierten wir aus Lust und Laune einen Literaturpreis, nachdem wir beflügelt von den Erlebnissen beim Franz-Tumler-Literaturpreis wieder in der Heimat ankamen. Wir wussten nicht, ob der Preis überhaupt angenommen oder wahrgenommen werden würde, zu verlieren hatten wir aber nichts. Und so können wir nun auf ein überraschend positives letztes Jahr zurückblicken. 50 Titel wurden eingereicht, 21 Literaturblogger haben sich angemeldet und am Ende gab es eine Gewinnerin, die sich über ein Preisgeld von 500€ freuen darf. Am 24. April um 19:30 Uhr im Café Central International im Grillo-Theater in Essen findet die Preisverleihung statt. Es werden die Erstplatzierte Shida Bazyar sowie der Zweitplatzierte Philip Krömer aus ihren Werken lesen. Die Karten für die Veranstaltung kosten 6,60€. Wir würden uns freuen, wenn ihr vorbei kommt.

g4146 - KopieEs war oft anstrengend, die Diskussionen waren leidenschaftlich, die Debütromane kleine Abenteuer. Und weil das alles so schön war, haben wir beschlossen einfach weiterzumachen. Auch in diesem Jahr gibt es also den Bloggerpreis für Literatur. Literaturblogger können sich also gern wieder für die Jury anmelden, um den besten deutschsprachigen Debütroman zu wählen, der in diesem Jahr sogar mit 600€ prämiert wird. Die Ausschreibung findet ihr hier.

10 Titel wurden bereits wieder eingereicht. Wir freuen uns auf ein weiteres Abenteuer mit Autoren, Verlagen und Bloggern.

The Sound of Silence

Einige von euch werden sich sicher schon gefragt haben, was bei uns in den letzten Wochen so los war. Keine neuen Beiträge, kein Zeichen, kein Geräusch… Dabei gab es viel Bewegung in unserem Leben in den letzten Monaten. Und genau das ist der Grund für die vorübergehende Stille beim Debüt. Laura hat sich zugunsten ihrer Dissertation und ihres Sohnes aus dem Team zurückgezogen, Sarah hat einen neuen Job anDSC_0065[24079]gefangen, Bozena tingelt von Veranstaltung zu Veranstaltung und ich habe eine inwischen sechs Monate alte Tochter, die noch immer meine volle Aufmerksamkeit einfordert.

Es wird „Das Debüt“ auch weiterhin geben, allerdings können wir noch nicht genau sagen, inwieweit wir uns Kapazitäten freischaufeln, in welcher Regelmäßigkeit wir wieder bloggen können. Ich hoffe ihr seht uns kleinere Pausen nach und begleitet uns auch weiterhin auf dem Weg durch den Dschungel aus neuen literarischen Stimmen.

Eine Nachricht, die uns besonders freut, kann ich hier schon einmal verkünden (es folgt jedoch noch ein gesonderter Beitrag dazu): Der Bloggerpreis wird auch in diesem Jahr fortgeführt. Wir freuen uns wahnsinnig und sind sehr dankbar für die Möglichkeit, das ganze Spektakel mit euch wiederholen zu können.

[Das Debüt 2016] And the winner is…

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(C) Joachim Gern

Mit einer kurzen Verzögerung möchten wir euch nun endlich nicht mehr länger auf die Folter spannen. Der Preis für den besten Debütroman 2016 geht an Shida Bazyar, die mit ihrem Debütroman „Nachts ist es leise in Teheran“ die teilnehmenden Blogger von sich überzeugen konnte. Wir gratulieren herzlich und freuen uns schon jetzt auf die Preisverleihung im Frühjahr.

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[Interview] Sonja Harter

Zu guter Letzt möchten wir euch nun die Lyrikerin Sonja Harter vorstellen, die mit ihrem Debütroman „Weißblende“ auf der Shortlist steht.

Sonja Harter wurde 1983 in Graz geboren und lebt heute in Wien. Seit 2001 veröffentlicht sie in Literaturzeitschriften (u.a. Manuskripte, Lichtungen, kolik), Anthologien (u.a. „Jahrbuch der Lyrik“, S. Fischer; „Lyrik von Jetz Zwei“, Berlin Verlag, „Stimmenfang“, Residenz) und im ORF Radio. 2005 erschien der Gedichtband „barfuß richtung festland“, 2008 folgte „einstichspuren, himmel.“ (beide Leykam). Preise und Stipendien: Literaturförderungspreis der Stadt Graz 2003, Literaturstipendium der Stadt Graz 2005, Frauen.Kunst.Preis 2006. Arbeitet als Kulturredakteurin bei der APA – Austria Presse Agentur.

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[Interview] Shida Bazyar

Nach Philip Krömer möchten wir euch heute die Autorin Shida Bazyar vorstellen, die es mit ihrem Roman „Nachts ist es leise in Teheran“ auf die Shortlist geschafft hat.

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(c) Joachim Gern

Shida Bazyar wurde 1988 in Hermeskeil geboren. Sie studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim, bevor sie nach Berlin zog. Halbtags ist sie Bildungsreferentin für junge Menschen, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in Brandenburg machen, die verbleibende Zeit verbringt sie als Autorin. Neben Veröffentlichungen von Kurzgeschichten in Zeitschriften und Anthologien war sie Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses 2012 und Studienstipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung.

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