[Interview] Vor dem Debüt – Seitwärts zum Roman (Teil 2)

Nicht nur das Web 2.0, auch die guten alten Printmedien bringen Menschen zusammen: Das Bücher-Magazin hatte Mitte des Jahres 2015 auf unsere Seite hingewiesen, wodurch wir (mindestens) einen neuen Leser gewonnen haben. Sein Name ist Oliver Wenzlaff. Wir kamen ins Gespräch, und es stellte sich heraus, dass er gerade seinen Debütroman vollendet, aber noch nicht veröffentlicht hatte – er war auf der Suche nach einem Verlag. Wir schlugen ihm vor, die Suche zu dokumentieren und in regelmäßigen Abständen Interviews zu führen. Das erste Interview führten wir im Sommer/Herbst 2015.

Hier folgt nun Teil zwei unserer Interviewreihe.

 Anfang März 2016

In knapp zwei Wochen wirst du zur Leipziger Buchmesse fahren. Was hast du für diese Zeit geplant?

Ich habe mich zum ersten Mal für die Leipziger Autorenrunde angemeldet. Das sind Tischgespräche mit Experten. Themen sind zum Beispiel die Lektoratsarbeit, das Selfpublishing oder die Bedeutung von Youtube. Außerdem werde ich an einem Speedating teilnehmen, wo sich Autoren, Verlage und Agenten gegenübersitzen. Nach 10 Minuten kommt ein Gong, und man muss wieder aufstehen. So stelle ich mir das zumindest vor, ich hab vorher noch nie ein Speeddating gehabt. Ansonsten bin ich an fast allen Tagen auf der Bühne in Halle 3. Die Themen drehen sich da um Lesungen und Hörspiele. Ich habe eigentlich immer viele Programmpunkte auf der Messe, aber diesmal haben besonders viele Sachen geklappt. Es kribbelt schon.

Welche Hoffnungen verbindest du mit dem Besuch der Buchmesse (was willst du erreichen)?

Einerseits möchte ich die Buchmesse zur Fortbildung nutzen. Deshalb die Tischgespräche. Andererseits bietet mir die Messe die Möglichkeit, mich mit Agenten und Verlagen zu vernetzen. Worauf ich mich besonders freue: Nicht nur bei dem Speeddating treffe ich Literaturagenten, sondern auch darüber hinaus. In einem Fall haben wir schon im Vorfeld sehr intensiv über meine Leseproben gesprochen. Vielleicht war es bislang sogar das intensivste Gespräch, das ich mit einem Agenten über einen Text geführt habe. Mein Plan war ja, wegzukommen von dieser unpersönlichen Kommunikation mit Leuten, die einen nie gesehen haben. Das ist nach wie vor meine Hoffnung für Leipzig, und ich will es nicht beschreien, aber ich bin optimistisch.

Mitte Juli 2016

by Leander Wattig Autorenrunde - die Ruhe vor dem Sturm

by Leander Wattig
Autorenrunde – die Ruhe vor dem Sturm

Mittlerweile haben wir Juli, die Buchmesse liegt ein paar Monate zurück. Wie war die Autorenrunde?

Besonders spannend fand ich den Vortrag „Schreiben ist Überarbeiten“. Da ging es darum, dass die erste Romanfassung absolut ohne Feinheiten, ohne schöne Sprache und ohne Details auskommen darf. Da soll es nur um die reine Handlung gehen, und es ist egal, wenn man dabei gegen die Regeln verstößt. Regeln wie zum Beispiel: keine Sprachbilder nutzen, die einfach schon zu oft gebraucht wurden. Das Herz rutscht in die Hose. Die Ruhe vor dem Sturm. Sowas ist alles erlaubt, solange man mit der ersten reinen Handlungsfassung schnell durchkommt. Danach kommt dann die Phase der Überarbeitung, und auch da geht es erstmal wieder nur um die Handlung beziehungsweise die Handlungsdefizite. Erst ganz am Ende kommt die sprachliche Qualität. Ich arbeite anders. Ich schreibe schon die erste Fassung sehr bewusst mit Blick auf Details. Aber vielleicht probiere ich auch mal den anderen Weg.

Und wie war das Speeddating?

Ich hatte zwei Termine. Das erste Gespräch sollte mit einer Agentur sein, die dann aber gar nicht da war. Sie hatten spontan einen Verlag als Vertretung geschickt, von dem ich noch nie gehört hatte. Der Vertretungsverlag hat meine Unterlagen dann weitergereicht und die Agentur hat sich kürzlich gemeldet. Mit einem ziemlich fundierten Feedback sogar, die Leute scheinen richtig nett zu sein. Sie wollen jetzt auch Infos über meinen zweiten Roman, der ja noch längst nicht fertig ist. Ich habe aber ehrlich gesagt Zweifel, ob die Agentur ausreichend Kapazitäten hat. Ich möchte keine Agentur haben, die ständig ihre Termine in letzter Sekunde absagt und nicht mal die Buchmesse halten kann. Genau das hatte ich schon mal, das will ich nie wieder.

Und das zweite Gespräch?

Das zweite Gespräch war mit einem Verlag. Die Dame hat mich zuerst über den Inhalt der Geschichte und dann über die Motivation meiner Charaktere ausgefragt. Ich soll mir keine Hoffnungen machen. Sie sucht historische Romane im Augenblick, ich passe da nicht rein. Wir hätten uns das Speeddating sparen können.

by Ricarda Howe VHS-Hörspielkurs auf der Messebühne

by Ricarda Howe
VHS-Hörspielkurs auf der Messebühne

Wie war die Resonanz auf deine Auftritte in Halle 3?

Die größte Resonanz gab es für einen Aufritt, den ich gemeinsam mit Kai Meyer hatte. Da kommen immer wahnsinnig viele Menschen. Kai hat eine riesige Fangemeinde. Schön war auch, dass ich meinen Volkshochschulkurs zum Thema Hörspielmachen präsentieren durfte. Da waren ein paar Teilnehmer mit auf der Bühne und wir haben Ausschnitte der Hörspiele gebracht, die im Kurs entstanden sind.

Hat der Termin mit dem Literaturagenten abseits des Speeddatings geklappt?

Ja, und das Gespräch war total offen. Wir haben uns jeweils Einblicke in unsere Jobs gegeben, ich finde seinen Job aufregend, er findet meinen aufregend. Er kann sich eine Zusammenarbeit vorstellen. Allerdings möchte er einen Anteil von 20 Prozent, andere Agenturen nehmen 15 Prozent. Ich habe erst kürzlich eine Autorin getroffen, die von ihm vertreten wird. Sie sagte, er ist jeden Prozentpunkt wert. Ich glaube das auch, aber es gibt noch ein anderes Fragezeichen. Ich suche eine langfristige Agentur-Beziehung, und bei ihm ist klar, dass er bald in Rente geht. Was ich bemerkenswert fand: Er war der erste Agent, der explizit gesagt hat, dass mein Exposé ein schönes Layout hat. Er meinte, ich kann mir gar nicht vorstellen, wie wenig Mühe sich die Leute da oft geben. Damit nicht nur die Form, sondern auch der Inhalt passt, hab ich mich übrigens an einen Exposé-Ratgeber gehalten.

Wann willst du dich entscheiden, bzw. wovon machst du deine Entscheidung abhängig?

Vor der Frankfurter Buchmesse werde ich nichts entscheiden. Ich möchte noch ein paar weitere Agenten treffen. Nicht viele, nur ein paar. Am Ende wird der persönliche Eindruck eine große Rolle spielen. Und das, was ich so von anderen Autoren höre. Ich will nicht unbedingt die allergrößte Top-Agentur. Ich möchte einfach nur eine, die sich kümmert. Die dranbleibt. Die zuverlässig ist. Wenn beim ersten Buch kein Erfolg zu sehen ist, dann versucht man es halt gemeinsam beim zweiten.

by Jasmin Zwick Nicht viele Stände besucht

by Jasmin Zwick
Nicht viele Stände besucht

Leipziger Buchmesse 2016 – wie lautet dein Fazit?

Die Buchmesse ist für mich wie ein Klassentreffen. Man trifft so viele alte Bekannte und lernt tolle neue Leute kennen, die man dann im nächsten Jahr als neue alte Bekannte wieder trifft. Die Leipziger Buchmesse ist großartig. Allerdings hatte ich diesmal so viele Termine, dass ich nicht viele Stände besucht habe.

Was ist seit der Buchmesse geschehen?

Nach der Messe ist vor der Messe. In meinem Fall vor der Frankfurter Messe. Ich werde zum ersten Mal nach Frankfurt gehen und bereite das gerade vor. Ich will mich noch mehr vernetzen und Buchmenschen persönlich kennenlernen.

by Antje Kröger Exposé

by Antje Kröger
Exposé

Wie schätzt du momentan deine Chancen auf Veröffentlichung ein?

Ich denke, wenn man mit ausreichend Geduld an die Sache rangeht, wird das mit der Veröffentlichung schon klappen. Es ist halt eine Frage der Zeit. Ich versuche, mich von dem Druck zu befreien, unbedingt schnell veröffentlichen zu müssen. Wenn man da zu verkrampft rangeht, dann ist das nicht gut. Die Ärzte singen: Du bist immer dann am besten, wenn es dir eigentlich egal ist. Wobei das natürlich nicht ganz so einfach ist, weil es einem Autor natürlich nicht egal ist, was mit seinen Texten passiert.

Was macht der zweite Roman?

Um mit dem zweiten Roman weiter zu kommen, habe ich mit einer Autorin eine Mini-Schreibgruppe aufgemacht. Das hilft, weil wir so feste Schreibtermine haben. Wir haben zu viele Aufgaben, die um zu wenig Zeit konkurrieren, und meistens müssen wir die Aufgaben vorziehen, die Geld bringen. Wenn wir aber die Schreibtermine haben, dann schreiben wir. Auf jeden Fall bleiben wir dran.

Auch wir bleiben dran und sind sehr gespannt, wie es weitergeht mit Oliver und seinem Romandebüt!

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