[Interview] Vor dem Debüt – Seitwärts zum Roman (Teil 2)

Nicht nur das Web 2.0, auch die guten alten Printmedien bringen Menschen zusammen: Das Bücher-Magazin hatte Mitte des Jahres 2015 auf unsere Seite hingewiesen, wodurch wir (mindestens) einen neuen Leser gewonnen haben. Sein Name ist Oliver Wenzlaff. Wir kamen ins Gespräch, und es stellte sich heraus, dass er gerade seinen Debütroman vollendet, aber noch nicht veröffentlicht hatte – er war auf der Suche nach einem Verlag. Wir schlugen ihm vor, die Suche zu dokumentieren und in regelmäßigen Abständen Interviews zu führen. Das erste Interview führten wir im Sommer/Herbst 2015.

Hier folgt nun Teil zwei unserer Interviewreihe. Weiterlesen

[Rezension] Andrei Mihailescu – Guter Mann im Mittelfeld

Ich bin stets von Autoren eingenommen, die sich ernsthaft mit einem Thema auseinandersetzen und mir das Gefühl geben, etwas erzählen zu wollen. Aus diesem Grund bin ich auch eingenommen von Andrei Mihailescu und würde gerne nur Gutes über seinen Debütroman „Guter Mann im Mittelfeld“ schreiben, aber leider, leider hat er sich entschieden, eine Liebesgeschichte in den Mittelpunkt der Handlung zu stellen. Und manchmal ist Liebe nicht die Antwort, sondern das Problem. Weiterlesen

[Rezension] Verena Mermer – die stimme über den dächern

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Vor der Lektüre von „die stimme über den dächern“ wusste ich nicht viel über Baku. Das, was ich wusste – ja, ich gebe es zu -, wusste ich durch die Berichterstattungen rund um den Eurovision Song Contest, der 2012 in Baku stattfand. Jenseits von „Euphoria“ und unter Überschriften wie „Kein bisschen Frieden“ ging es um Menschenrechtsverletzungen und staatliche Repressionen in Aserbaidschan.

„die stimme über den dächern“ erzählt nun von den Protesten in Baku im Frühjahr 2011.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen zwei junge Paare: Nino und Ali sowie Che und Frida. Sie werden Teil der Protestbewegung, die jedoch aufgrund der Repressionswelle des autoritären Regimes bereits in ihren Anfängen stecken bleibt. Ali wird verhaftet, Nino, die als Lehrerin arbeitet, wird entlassen, die Beziehungen beginnen unter den Einschüchterungsmaßnahmen der Behörden zu leiden, Freundschaften drohen zu zerbrechen. Selbst der stille Protest zermürbt irgendwann.

Doch die Autorin möchte nicht nur eine Geschichte über junge Menschen erzählen, die im Jahre 2011 in Baku leben – sie möchte mehr. So wird irgendwann klar, dass Che nicht nur ein Namensvetter von Che Guevara ist, nein, es ist Che Guevara himself, der in einem aserbaidschanischen Krankenhaus arbeitet. Und seine Freundin Frida ist Frida Kahlo, die 2011 nicht mehr malt, sondern als Schauspielerin arbeitet und wie eine Katze sieben Leben hat. Weiterlesen

[Rezension] Nachts – Mercedes Lauenstein

Wem würde ich begegnen, wenn ich in unserem Viertel nachts an Haus- und Wohnungstüren klingelte? Das fragt man sich wohl zwangsläufig, nachdem man „Nachts“ von Mercedes Lauenstein gelesen hat.

In Lauensteins Debüt läuft die Ich-Erzählerin nachts durch die Straßen der Stadt und klingelt an Türen, wenn sie irgendwo noch Licht brennen sieht. Sie gibt sich als Forscherin aus, die herausfinden will, was die Menschen nachts tun, wenn sie nicht schlafen. Die Protagonistin wird nicht von allen hereingelassen. Drei von zehn Wachenden machen ihr die Tür auf.

Die fünfundzwanzig Episoden handeln von den Menschen, die die Tür öffnen. Die Menschen, denen die Ich-Erzählerin begegnet, sind allein in ihrer Schlaflosigkeit. Sie vermissen jemanden, warten auf irgendwen, vielleicht schläft noch irgendwer im Nebenzimmer. Es scheint wie ein unausgesprochenes Gesetz dieser Begegnungen zu sein, dass neben der namenlosen Ich-Erzählerin und den Wachenden keine dritte Person anwesend sein darf. Sobald das Baby schreit, die Frau aufwacht oder eine Freundin anklingelt, verschwindet die Erzählerin in der Nacht. Weiterlesen

[Interview] Vor dem Debüt – Seitwärts zum Roman (Teil 1)

Nicht nur das Web 2.0, auch die guten alten Printmedien bringen Menschen zusammen: Das Bücher-Magazin hatte Mitte des Jahres auf unsere Seite hingewiesen, wodurch wir (mindestens) einen neuen Leser gewonnen haben. Sein Name ist Oliver Wenzlaff. Wir kamen ins Gespräch, und es stellte sich heraus, dass er gerade seinen Debütroman vollendet, aber noch nicht veröffentlicht hatte – er war auf der Suche nach einem Verlag. Wir schlugen ihm vor, die Suche zu dokumentieren und in regelmäßigen Abständen Interviews zu führen. Das erste Interview führten wir Ende August, das zweite fand Ende Oktober statt. Weiterlesen

[Unterwegs] lost and found in Frankfurt

Ja, auch wir konnten dem Hype nicht widerstehen und haben uns in den Buchmessenwahnsinn von Frankfurt gestürzt. Wir sind verloren von Verlagsstand zu Verlagsstand getorkelt, haben Clemens J. Setz dabei beobachtet, wie er am 3sat-Stand mit zu hohen Armlehnen hadert, haben Ijoma Mangold im Vorbeigehen gesehen und gedacht, dass er aussieht wie im Fernsehen, wir haben uns beim Bloggertreff mit Keksen und Schlüsselanhängern versorgt und dabei mit großen Augen auf die Masse an Buchbloggern gestarrt.

Und wir haben vier spannende Gespräche mit Romandebütantinnen geführt, an denen wir euch – die den Frankfurter Wahnsinn überlebt oder ignoriert habt – teilhaben lassen wollen. Weiterlesen