[Literaturpreis] Angela Lehner – Vater unser – Nominiert für den Franz-Tumler-Literaturpreis

Wahnsinn fasziniert. Eben diese Faszination für die Abgründe der menschlichen Psyche nutzt der Roman und liefert eine ambivalente Figur, die dermaßen berechnet und manipulativ ist, dass der Rezipient ernsthaft an ihrer Erkrankung zweifeln muss.

Am 20.9.2019 wird der Franz-Tumler-Preis für den besten deutschsprachigen Debütroman in Laas verliehen. Wie in den Jahren zuvor wird DasDebüt die Verleihung vor Ort verfolgen, doch zuvor stelle ich jeweils die Autoren und die Autorinnen in einem Interview und Statements zu ihren Romanen sowie die nominierten Romane in einer kleinen Besprechung vor. Weiterlesen

[Interview] Anja Kampmanns Debüt „Wie hoch die Wasser steigen“ oder ein Mann ohne Zukunft

Zwar hat Anja Kampmann mit ihrem Romandebüt Wie hoch die Wasser steigen den Preis der Leipziger Buchmesse 2018 nicht erhalten, doch er bescherte ihr eine mediale Aufmerksamkeit, die für jede Debütantin und jeden Debütanten überlebensnotwendig ist. Ihr Romandebüt erzählt die Geschichte von Waclaw, den es über viele Jahre in die weite, exotische Ferne zog. Doch als ihn dort nichts mehr hält, muss er einsehen, dass die zurückgelassene Welt nicht mehr auf ihn wartet.  Weiterlesen

[Das Debüt im LIVRES] Lesung und Interview mit Martin Kordic

Kordic_24529_MR2.inddAnhalten lässt sich die Weihnachtszeit leider nicht, wir können euch lediglich diese seltsame Zeit zwischen den Jahren versüßen. Und das möchten wir mit einem weiteren Ausschnitt aus unserer Lesereihe auch gerne machen. Am 24. Feburar 2015 las Martin Kordic bei uns aus seinem Debütroman Wie ich mir das Glück vorstelle, in dem der Autor die Schrecken des Bosnien-Kriegs aus der Perspektive eines bemerkenswerten Kindes beleuchtet. Hier könnt ihr euch nun einen Eindruck vom Leseabend verschaffen. Viel Spaß!

[Unterwegs] Der Debütantensalon 2015 im TAK, Berlin

DSC02214Was kann man an nasskalten Herbstabenden besseres tun, als sich aus den bemerkenswertesten Debüts des Jahres vorlesen zu lassen? Wie bereits letztes Jahr besuchte ich den Debütantensalon im TAK Berlin am 16.11.15 im Rahmen des Stadt Land Buch Lesemarathons. Dieses Mal lasen Mirna Funk, Kat Kaufmann, Jackie Thomae, Mercedes Lauenstein und Samira Kentrić aus ihren Debütromanen. Leider musste ich aus persönlichen Gründen in der Pause gehen und verpasste dadurch Mercedes Lauenstein und Samira Kentrić.

Moderiert von Knut Elstermann und getragen von den ausgesprochen sympathischen Autorinnen erlebte ich einen humorvollen und anregenden Abend, was ich nach den Ereignissen am letzten Freitag in Paris auch dringend brauchte. Weiterlesen

[Rezension] Raquel J. Palacio – Wunder

Manchmal möchte man schier an der Welt verzweifeln. Nein, ich glaube nicht an Wunder.
Aber ich glaube an die Kraft dieses Debütromans – ein Jugendroman von Raquel J. Palacio:

August ist zehn Jahre alt und hat noch nie eine Schule besucht.

„Ich heiße übrigens August. Ich werde nicht beschreiben, wie ich aussehe. Was immer ihr euch vorstellt – es ist schlimmer (…) Die Leute glauben, ich wäre nie zur Schule gegangen, weil ich so aussehe, aber das ist es nicht. Es liegt an all den Operationen, die ich gehabt habe. Siebenundzwanzig seit meiner Geburt.“

Aufgrund einer Genmutation ist sein Gesicht ein „Schlachtfeld“. Oder wie es der Freund seiner Schwester ausdrückt:

„sie erzählte mir erst bei unserem dritten date von august. ich glaube, sie benutzte den ausdruck „kraniofaciale abnormalität“, um sein gesicht zu beschreiben, vielleicht war es auch „kraniofaciale anomalie“. ich weiß allerdings, dass sie nicht das wort „entstellt“ benutzt hat, denn das hätte mir etwas gesagt.“

Als August klein war, trug er immer einen Astronautenhelm. Und er liebt Halloween – weil er Masken aufsetzen kann und niemandem auffällt. Doch nun wird er eingeschult und muss ohne Astronautenhelm oder Maske in die fünfte Klasse der Beecher Prep gehen.
Sein erstes Schuljahr auf der Middle School wird aus sechs verschiedenen Perspektiven erzählt – aus Augusts Perspektive, der Perspektive seiner Freunde, seiner Schwester Via und ihres Freundes.  Durch diese Perspektivwechsel entgeht der Roman elegant der Gefahr, bloße Betroffenheitsprosa zu sein. Stattdessen wird mit Humor und Wärme erzählt, wie sich die Protagonisten den Irritationen und Konfrontationen des Lebens stellen.

„Es wird immer Mistkerle auf der Welt geben, Augie“, sagte sie und schaute mich an. „ Aber ich glaube ganz sicher (…), dass es mehr gute Menschen auf dieser Welt gibt als böse und die guten Menschen passen aufeinander auf und kümmern sich umeinander.“

Dieses Buch wird nicht die Welt retten – das müssen wir schon selber tun. Doch es lächelt einen an und schenkt kleine Momente voller Hoffnung und Glück. Und ja, da darf es auch mal ein bisschen kitschig werden. Was solls? Es gibt Schlimmeres!

278x425x978-3-446-24175-6_21212513183-29.jpg.pagespeed.ic.nXzOAD4gnP[Raquel J. Palacio – Wunder
Hanser Verlag
384 Seiten, gebunden, 2013, 16,90 €]
Jetzt auch als Taschenbuch!