[unterwegs] Bachmann-Preis 2019 – Neulinge schlagen Profis?

Für „Das Debüt“ ist ein/e Debütant/in ein Autor/eine Autorin, der/die seinen/ihren ersten Roman vorlegte. Dieser Definition folgend, müsste mit Entrüstung festgestellt werden, dass 2019 die meisten Preise an „Schreibanfänger“ vergeben wurden. Ein schlechtes Zeugnis für die Gegenwartsliteratur? Nein. Denn in dieser Gleichung ist eine grundlegende Annahme irreführend…

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v.l. Leander Fischer, Ronya Othmann, Birgit Birnbacher, Julia Jost, Jannic Han Biao Federer |     (c) ORF/Johannes Puch

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[unterwegs] 23. Literaturkurs oder die Klagenfurter Häschenschule

davEs ist Mittwoch, der 26. Juni 2019, 14 Uhr. Erst vor wenigen Minuten in Klagenfurt angekommen, stehe ich im Robert-Musil-Literatur-Museum in Klagenfurt und sehe mich um. Es ist ein sonniger und heißer Tag, alle bewegen sich im Energiesparmodus. Der Leiter des Musil-Hauses, Heimo Strempfl, begrüßt freundlich die Lesungsgäste. Die Spannung hängt in der Luft wie die Hitze. Ich ersuche mir ganz hinten einen der tollen Bachmann-Liegestühle mit dem bedeutungsschwangeren Aufdruck: „Der Mensch ist besser als sein Ruf“, lehne mich zurück und warte gespannt darauf, was mir diesjährigen Stipendiaten und Stipendiatinnen des 23. Literaturkurses und angehende Autoren und Autorinnen vom Menschen erzählen. Weiterlesen

Bettina Wilpert „Nichts, was uns passiert“ bekommt den Aspekte-Debütpreis 2018

Ihre literarischen Vorbilder sind Katja Petrowskaja und Herta Müller, doch für ihren Debütroman hat sie sich hauptsächlich von der Fachliteratur, von Berichten der Opfer einer Vergewaltigung sowie von zahlreichen Interviews inspirieren lassen. Entstanden ist keine leichte Lektüre, die die Frage nach der Vergewaltigung von einer objektiven Beweis- auf eine sehr individuelle Erlebnisebene überträgt. Was muss alles passieren, damit das Subjektiv-Erlebte auch objektiv als solches verstanden wird?  Weiterlesen

[Rezension] Beka Adamaschwili debütiert mit einem „Bestseller“

Die Frankfurter Buchmesse 2018 steht vor der Tür und mit ihr das diesjährige Gastland – Georgien. Die Meisten verbinden mit Georgien zunächst Nino Haratischwili – der Jungstar georgischer Herkunft am Firmament der deutschen Gegenwartsliteratur. Doch dieses spannende Land hat literarisch (und wohl nicht nur!) viel mehr anzubieten als manch eine(r) ahnen würde.
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[Interview] Anja Kampmanns Debüt „Wie hoch die Wasser steigen“ oder ein Mann ohne Zukunft

Zwar hat Anja Kampmann mit ihrem Romandebüt Wie hoch die Wasser steigen den Preis der Leipziger Buchmesse 2018 nicht erhalten, doch er bescherte ihr eine mediale Aufmerksamkeit, die für jede Debütantin und jeden Debütanten überlebensnotwendig ist. Ihr Romandebüt erzählt die Geschichte von Waclaw, den es über viele Jahre in die weite, exotische Ferne zog. Doch als ihn dort nichts mehr hält, muss er einsehen, dass die zurückgelassene Welt nicht mehr auf ihn wartet.  Weiterlesen

[Das Debüt im LIVRES] Lesung und Interview mit Mercedes Lauenstein

Nachts_08.inddAm 01. Dezember 2015 war Mercedes Lauenstein in unserer Lesereihe Das Debüt im LIVRES zu Gast.

In ihrem Debüt Nachts lässt die Autorin ihre Protagonistin in Epidsoden die Nacht durchstreifen. Sobald diese des Nachts ein erleuchtetes Fenster sieht, klingelt sie an den Haustüren und verwickelt die Menschen in nächtliche Gespräche.

An diesem Abend bekamen wir und die Gäste von der Autorin auch endlich die Antwort auf die immer wiederkehrende Frage, ob es sich bei ihrem Debüt nun um einen Roman oder einen Erzählband handelt: „Also ich sag‘ immer, es ist ein Buch.“

Weitere Impressionen des Abends findet ihr nun im nachfolgenden Video.

[Rezension] Verena Mermer – die stimme über den dächern

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Vor der Lektüre von „die stimme über den dächern“ wusste ich nicht viel über Baku. Das, was ich wusste – ja, ich gebe es zu -, wusste ich durch die Berichterstattungen rund um den Eurovision Song Contest, der 2012 in Baku stattfand. Jenseits von „Euphoria“ und unter Überschriften wie „Kein bisschen Frieden“ ging es um Menschenrechtsverletzungen und staatliche Repressionen in Aserbaidschan.

„die stimme über den dächern“ erzählt nun von den Protesten in Baku im Frühjahr 2011.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen zwei junge Paare: Nino und Ali sowie Che und Frida. Sie werden Teil der Protestbewegung, die jedoch aufgrund der Repressionswelle des autoritären Regimes bereits in ihren Anfängen stecken bleibt. Ali wird verhaftet, Nino, die als Lehrerin arbeitet, wird entlassen, die Beziehungen beginnen unter den Einschüchterungsmaßnahmen der Behörden zu leiden, Freundschaften drohen zu zerbrechen. Selbst der stille Protest zermürbt irgendwann.

Doch die Autorin möchte nicht nur eine Geschichte über junge Menschen erzählen, die im Jahre 2011 in Baku leben – sie möchte mehr. So wird irgendwann klar, dass Che nicht nur ein Namensvetter von Che Guevara ist, nein, es ist Che Guevara himself, der in einem aserbaidschanischen Krankenhaus arbeitet. Und seine Freundin Frida ist Frida Kahlo, die 2011 nicht mehr malt, sondern als Schauspielerin arbeitet und wie eine Katze sieben Leben hat. Weiterlesen