[Rezension] Roland Schimmelpfennig – An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Die ganze Stadt in Aufruhr. Die Zeitungen, die Schlagzeilen. Das Lokalfernsehen. Die Nachricht weltweit. Der Berliner Wolf. Völker schaut auf diese Stadt, wie hat sie sich verändert. Dieser Wolf ist ein Berliner.“

Ein bekannter Dramatiker schreibt seinen ersten Roman und landet prompt auf der Nominierungs-Liste zum Preis der Leipziger Buchmesse. Der Titel von auffälliger Länge klingt erstmal vielversprechend: An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Das lässt an Erzählungen denken, denen ein denkwürdiger Tag zugrundeliegt, an ein besonderes Ereignis, das – sei es auch nur im Leben eines Einzelnen – alles verändert… Bei Schimmelpfennig ist es ein Wolf, der sich auf den Weg nach Berlin macht, ebenso wie einige weitere Figuren. schimmelpfennig

Berlin und der Wolf – das sind die beiden verbindenden Motive, um die sich der Reigen verschiedenster Personen im Roman reiht. Da sind die beiden Jugendlichen Elisabeth und Micha, die sich spontan aus der Provinz auf den Weg nach Berlin machen, anstatt morgens den Schulbus zu nehmen. Die Mutter des Mädchens und der Vater des Jungen folgen ihnen unabhängig voneinander nach Berlin, um sie zu finden. Und dann sind da noch das polnische Pärchen Tomasz und Agnieszka. Er fotografiert auf dem Weg nach Berlin den Wolf am Straßenrand, sie ist Putzfrau und verkauft sein Bild an die Zeitung. Die Späti-Besitzer Charly und Jackie spielen noch eine Rolle. Und noch einige weitere Randfiguren. Weiterlesen

[Das Debüt im LIVRES] Lesung und Interview mit Aljoscha Brell

cover Wir schauen zurück auf ein Highlight des vergangenen Jahres: Aljoscha Brell las am 11. November in unserer Veranstaltungsreihe „Das Debüt im LIVRES“ aus seinem Debütroman „Kress“.

Die herrlich skurrile Geschichte um den eigenwilligen Germaninstik-Studenten Kress, brachte uns und die vielen Gäste gleichermaßen zum Lachen und zum Nachdenken – vor allem aber zum gespannten Lauschen. Im Gespräch verriet der Autor, welche Bedeutung die Sprache für ihn hat und warum dem Protagonisten ein tragisches Ende erspart geblieben ist.

In bester Erinnerung bleibt uns ein sehr schöner Abend, ein sympathischer Autor und eine wunderbar kauzige Hauptfigur. Hier ein paar Impressionen für alle, die nicht dabei sein konnten. Viel Spaß!

[Interview] Katja Schraml

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(c) privat

Katja Schraml wurde 1977 in Bayern geboren. Nach einer Lehre als Bauzeichnerin versuchte sie sich an ersten Gedichten und Zeichnungen. In Würzburg studierte sie neuere deutsche Literatur, Sprachwissenschaft und Soziologie. Es folgen erste Erzählungen und Fotografien. 2007 zog sie nach Berlin, wo sie derzeit lebt und seit einigen Jahren bereits in der Veranstaltungsorganisation tätig ist. 2015 erschien ihr Debütroman Josef der Schnitzer Stumpf.

Der Roman ist sprachlich eine der gewagtesten Veröffentlichungen unter den Debütromanen des letzten Jahres. Der Leser folgt zwei Erzählstimmen, die die Geschichte eines jungen Mannes begleiten, der durch einen Umzug nach Berlin einer dörflichen Enge  entfliehen will. In waghalsigen Sprachmanövern schildert Katja Schraml von der vergeblichen Flucht eines Mannes vor seinen eigenen Dämonen und der ewigen Suche nach einem Platz in dieser Welt. Weiterlesen

Das Debüt 2016 – Bloggerpreis für Literatur

Bloggerpreis 2016Der eine oder andere von euch hat es vielleicht schon bemerkt. Das neue Jahr birgt viele neue Möglichkeiten und um eine von diesen wunderbaren Gelegenheiten soll es in diesem Beitrag gehen. Im letzten Jahr haben wir uns nicht zuletzt durch unsere Reise nach Südtirol zum Franz-Tumler-Literaturpreis intensiv mit Literaturpreisen auseinandergesetzt. Ich selbst habe mich in einem Beitrag zum Franz-Tumler-Literaturpreis gedanklich mit dem Preisen der Literatur auseinandergesetzt und sehr kritisch die Marketingstrategien etc. hinterfragt. Und ganz plötzlich entstehen dann Gedankenspielereien, wie denn der eigene Literaturpreis auszusehen hätte und was man alles anders machen würde. Wenn einen diese Gedanken dann nicht mehr loslassen, dann kann es passieren, dass daraus etwas gänzlich Neues entsteht. Genau das ist in unserer Redaktion passiert: In diesem Jahr werden wir erstmals einen Literaturpreis für den besten deutschsprachigen Debütroman vergeben, gemeinsam mit allen Literaturbloggern, die Lust haben, ein wenig bei diesem Preis mitzumischen. Weiterlesen

[Das Debüt im LIVRES] Lesung und Interview mit Martin Kordic

Kordic_24529_MR2.inddAnhalten lässt sich die Weihnachtszeit leider nicht, wir können euch lediglich diese seltsame Zeit zwischen den Jahren versüßen. Und das möchten wir mit einem weiteren Ausschnitt aus unserer Lesereihe auch gerne machen. Am 24. Feburar 2015 las Martin Kordic bei uns aus seinem Debütroman Wie ich mir das Glück vorstelle, in dem der Autor die Schrecken des Bosnien-Kriegs aus der Perspektive eines bemerkenswerten Kindes beleuchtet. Hier könnt ihr euch nun einen Eindruck vom Leseabend verschaffen. Viel Spaß!

[Das Debüt im LIVRES] Lesung und Interview mit Frank O. Rudkoffsky

cover_frank_o_rudkoffsky_dezemberfieberDezemberfieber, so heißt der einfühlsame Debütroman, den unser geschätzter Kollege Frank O. Rudkoffsky im September dieses Jahres bei duotincta veröffentlichte. Es ist eine Geschichte über die eigene Sinnsuche und die Versöhnung mit sich und der Welt.

Am 22. September, pünktlich zum Erscheinen des Romans, stattete uns Frank einen Besuch ab und wir hatten die Ehre seine Premierenlesung bei uns auszurichten. Es war ein schöner Abend mit tollen neuen Bekanntschaften und ganz viel Literatur. Hier könnt ihr euch nun einen Eindruck des Abends verschaffen. Viel Spaß damit.

 

[Rückblende] Jan Koneffke – Bergers Fall // 1991

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Jan Koneffke // 2014

Mein Debütroman war kein Debüt. Ich hatte 1988 bereits eine lange Erzählung veröffentlicht, die den doppeldeutigen Titel trug: Vor der Premiere. Doppeldeutig deshalb, weil eigentlich ein Gedichtbuch von mir erwartet wurde, nachdem ich beim Leonce-und-Lena-Wettbewerb ein Jahr zuvor den Hauptpreis erhalten hatte. Der Preis wiederum hatte zur Folge, dass eine Reihe meiner Gedichte in der FAZ erschienen war und mir gleichzeitig mehrere Verlage einen Vertrag anboten. Als sich jedoch absehen ließ, dass ich das Gedichtmanuskript nicht rechtzeitig würde abgeben können, fragte mich der Verleger, Klaus Schöffling (damals Frankfurter Verlagsanstalt, heute Schöffling & Co.), dem ich das „Ja“-Wort gegeben hatte, ob ich nicht auch eine Prosa hätte, die wir vorziehen könnten. Weiterlesen