[Literaturpreis] Stell dir vor, ein Roman wird mit einem Literaturpreis ausgezeichnet und niemand bekommt es mit

DSC_0014 [1009041]Eigentlich sollte dieser Beitrag ganz anders beginnen. Eigentlich wollte ich euch einen kleinen zusammenfassenden Überblick über die nominierten Romane des Franz-Tumler-Literaturpreises geben, damit ihr fröhlich weiter spekulieren könnt. Eigentlich wollte ich euch an unsere Verlosung erinnern, bei der ihr einen der nominierten Romane gewinnen könnt. Eigentlich hängt das nun Folgende auch mit dem Bisherigen zusammen, aber ganz uneigentlich sitze ich nun hier und blicke auf die Überschrift, die jegliche Planung zunichte machen wird. Ein kleines Gedankenallerlei zum Preisen der Literatur Weiterlesen

[Literaturpreis] Kristine Bilkau – Die Glücklichen

Am 18.9.2015 wird der Franz-Tumler-Preis für den besten deutschsprachigen Debütroman in Laas verliehen. Wie wir bereits ankündigten, verfolgen wir die Verleihung und darüber hinaus hat jede von uns einen der nominierten Romane gelesen. Wir werden nun in einer kleinen Reihe jeweils die Autorinnen in einem Interview und Statements zu ihren Romanen vorstellen.

Wir beenden unsere Reihe mit Kristine Bilkaus „Die Glücklichen“

042_87453_153599_xxlDie Glücklichen, so heißt DER Roman, auf den scheinbar alle so sehnsüchtig gewartet haben, da er thematisch gegenwärtiger kaum sein könnte. Kristine Bilkau wendet sich in ihrem Debütroman dem Alltag der Generation 30+ zu und findet dort einen klaffenden Abgrund zwischen Selbstverwirklichung und den Anforderungen der modernen Gesellschaft. Die Autorin erzählt von der tiefen Verunsicherung einer jungen Kleinfamilie, die an ebendiesem Abgrund steht und nicht weiß, wie er am besten zu überbrücken ist. In einer Welt, in der das persönliche Scheitern zur größten Sünde wird, verlieren die Protagonisten Georg und Isabell mehr und mehr den Blick für das eigene Glück. Weiterlesen

[Literaturpreis] Gesa Olkusz – Legenden

Am 18.9.2015 wird der Franz-Tumler-Preis für den besten deutschsprachigen Debütroman in Laas verliehen. Wie wir bereits ankündigten, verfolgen wir die Verleihung und darüber hinaus hat jede von uns einen der nominierten Romane gelesen. Wir werden nun in einer kleinen Reihe jeweils die Autorinnen in einem Interview und Statements zu ihren Romanen vorstellen.

Wir setzen unsere Reihe mit Gesa Olkusz und ihrem Debütroman „Legenden“ fort.

olkusz_vorschau.inddFilbert, die Hauptfigur in „Legenden“ ist ein eher schwieriger Typ. Nicht unsympathisch, aber doch eigenwillig, auch ein bisschen schwermütig. Er lebt im Berliner Künstler-Milieu, raucht gern und trinkt gern Kaffee in kalten, nächtlichen Küchen. Hin und wieder tut er etwas Dummes. Außerdem wird sein Leben überschattet von der Lichtgestalt seines verstorbenen Urgroßvaters Stanis und der weniger lichten, dafür aber sehr lebendigen Erscheinung seines „Tantchens“. Stanis, der Großvater, hatte während der deutschen Besatzung in einem ungenannten osteuropäischen Dorf Widerstand geleistet und war dafür deportiert worden. In Filberts Leben materialisiert sich dieser heroische Mythos in unerfüllbaren Erwartungen an ihn und in harter Ablehnung angesichts seines chronischen Scheiterns an diesen Erwartungen. Doch dann erfährt er, dass sein Großvater Stanis nicht bei einem Unfall gestorben ist, sondern in Kanada ein neues Leben angefangen hat. Einige Verwicklungen und Zeitsprünge später findet sich Filbert in Kanada wieder. Dort soll er plötzlich Teil einer Familienzusammenführung werden, die der mysteriöse und vielleicht sogar zeitreisende Junge Aureliusz plant. Am Ende kommt alles anders. Und außerdem ist da noch Mae, die Filberts Herz in der Gegenwart verankert und seine Zukunft seine könnte.

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[Literaturpreis] Sandra Gugic – Astronauten

Am 18.9.2015 wird der Franz-Tumler-Preis für den besten deutschsprachigen Debütroman in Laas verliehen. Wie wir bereits ankündigten, verfolgen wir die Verleihung und darüber hinaus hat jede von uns einen der nominierten Romane gelesen. Wir werden nun in einer kleinen Reihe jeweils die Autorinnen in einem Interview und Statements zu ihren Romanen vorstellen.

Wir beginnen die kleine Reihe mit Sandra Gugic und ihrem Debütroman „Astronauten“

9783406673702_largeSandra Gugics Debütroman „Astronauten“ entwirft ein sechsfaches Bild von einem Sommer in einer Großstadt. Es sind sechs Personen, sechs Perspektiven, sechs Geschichten… die alle wie in einem Netz miteinander verbunden sind. In der (ungenannten) Großstadt leben Zeno, Darko, Alen, Mara, Alex und Niko auf der Suche nach sich selbst, nach Geborgenheit, Verständnis, Anerkennung… und so etwas wie Glück. Jede der Figuren hat ihre eigene Stimme, eine eigene Sicht auf die Geschehnisse. Im Vordergrund stehen dabei weniger die Handlung und der Plot, sondern es ist die multiperspektivische Erzählweise und Konstruktion des Romans, die ihn auszeichnet. Weiterlesen

[Zweierlei] Anne Philippi – Giraffen

Anne Philippi - GiraffenGI|RAF|FE, die; -, -n: Frauentypus, Ende 20. Jahrhundert bis heute, Verbreitung v.a. Westeuropa und Nordamerika, vermehrt zu finden an Orten des internationalen Jetsets. Lebt parasitär und in Co-Abhängigkeit mit wohlsituierten Exemplaren männlicher Spezies.

Worum es geht: Eva und Henry sind süchtig. Nicht abstoßend und mitleidheischend süchtig. SIe haben Geld und feiern ihren berauschenden Alltag. Zumindest meistens. Wenn da nur nicht der unzuverlässige Körper und die noch unzuverlässigere Psyche wären.

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[Rezension] Verena Friederike Hasel – Lasse

Mutter werden ist nicht schwer, Mutter seinVerena Friederike Hasel - Lasse dagegen sehr?
Es ist das größte Wunder der Natur; neun Monate kämpfen sich schwangere Frauen durch kraftzehrende körperliche Veränderungen und erdulden all das für diesen einen Moment. Die Mutter sieht ihr Kind das erste Mal und wird von bedingungsloser Liebe, Glück und Bindungsgefühlen übermannt. Oder doch nicht? Verena Friederike Hasel nimmt sich in ihrem Debütroman Lasse einem gesellschaftlichen Tabuthema an. Eindringlich erzählt sie vom Schrecken fehlender Mutterliebe und der Verzweiflung des Alleinseins unter Vorzeigefamilien. Hätte die Autorin ihrer Figur auch abseits dieser Thematik ein wenig mehr Komplexität zugetraut, wäre dies ein großartiger Roman geworden. Weiterlesen

[Rückblende] Michael Kumpfmüller – Hampels Fluchten // 2000

Michael Kumpfmüller - Hampels FluchtenDas Debüt ist ein Übergangsritual, so etwas wie die Taufe oder früher die Jugendweihe. Was danach ist, ist vorher nicht gewesen, und was vorher war, kommt danach nicht wieder.
Man ist als Schriftsteller buchstäblich ein anderer Mensch, wenn das erste Buch erschienen ist, man tritt aus den Schubladen heraus in die Welt, ganz gleich, ob die Welt das begrüßt.
Mein Debüt Hampels Fluchten erschien im Sommer 2000. Ich bin mit neununddreißig ein sehr später Debütant gewesen. Ich habe seit meinem sechzehnten Lebensjahr geschrieben, aber erst in meinen Dreißigern machte ich Ernst damit. Man könnte sagen, dass ich bis dahin zuviel Zeit hatte. Weiterlesen