[Rezension] Julia Wolf – Alles ist jetzt

„Alles ist jetzt und alles wie immer.“

Eines habe ich von diesem Roman gelernt: Ich mag definitiv keine passiven Protagonisten. Hier ist das natürlich Absicht. Ingrid ist die personifizierte Passivität. Lässt alles mit sich machen, lässt das Leben auf sich regnen. Lässt sich wecken, lässt sich vögeln, lässt sich Drogen einflößen, damit sie bei einer Live-Sex-Show mitmacht, weil sich das einer der Kunden doch so sehr wünscht. Obwohl sie da doch eigentlich nur als Bedienung hinterm Tresen arbeitet…Wolf_Cover

In kurzen Sätzen wird man in Ingrids Leben hineingesogen. Es ist nicht angenehm. Man liest, wie sie sich zwingen muss, aufzustehen und zu essen. Liest von Episoden aus ihrer Vergangenheit mit Mutter Gabriele, die gern mal zu viel trinkt. Liest vom ewig gleichen, sich wiederholenden Ablauf ihrer Tage, und selbst beim jährlichen Wiedersehensritual mit ihrem Vater Werner, der damals davonging. Weiterlesen