[Rezension] Beka Adamaschwili debütiert mit einem „Bestseller“

Die Frankfurter Buchmesse 2018 steht vor der Tür und mit ihr das diesjährige Gastland – Georgien. Die Meisten verbinden mit Georgien zunächst Nino Haratischwili – der Jungstar georgischer Herkunft am Firmament der deutschen Gegenwartsliteratur. Doch dieses spannende Land hat literarisch (und wohl nicht nur!) viel mehr anzubieten als manch eine(r) ahnen würde.
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[Rezension] Beatrice Meier – Alleine war gestern

9783462047509Bei ihrem Erstlingsroman hat sich Beatrice Meier für ein anthropologisches Problem unserer heutigen Gesellschaft entschieden, das nun seit dem Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand, seinen Eingang in die Literatur fand – die sonnigen und schattigen Seiten des reifen Lebens − und lässt die „alten“ 68er eine WG gründen. Wie es gerade in Mode ist, sind auch hier die alten Neuen vital, humorvoll, für ihr Alter überraschend kompromissbereit, anpassungsfähig und erstaunlich sozial.

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[Rezension] Fee Kathrin Kanzler – Die Schüchternheit der Pflaume

„Meine Geschichte, denke ich, spielt in einem Land, wo Dämmerungen genauso lang wie Tag und Nacht dauern. Der Himmel dieser Geschichte ist rosa und ihr Horizont schwarz. Nach Zwielicht riecht sie, nach dem Moos auf Stadtdächern, nach Mandelseife und ein wenig nach Benzin. Nach den Stahlsaiten meiner Gitarren und nach Männerhemd. Was sie zusammenhält, ist letztlich nur ein Fädchen, das durch die Hände einer numinosen Spinnerin läuft. Wahrscheinlich hat sie blaue Finger wie ich, Sudelpfoten, und schmiert meinen Faden schon beim Spinnen voll. Die Götter sitzen in der Tinte.“

© Laura PDie namenlose Erzählerin tanzt sich durch ihr Leben, das voller kleiner Entdeckungen steckt, schläft mit Männern, deren Eigenarten sie geistig in ihren Erinnerungen versammelt, trinkt Tee und lauscht dem, was die Götter ihr einflüstern. Mit glänzenden Augen liest man ihr dabei zu, schüttelt den Kopf angesichts soviel Leicht(sinn)igkeit und will doch mehr davon. Mehr von den wunderschönen Wortbildern, die Fee Kathrin Kanzler aufs Papier gezaubert hat.

Es passiert nicht viel auf den 318 Seiten, man ist einfach beim Lesen mit der Erzählerin lebendig. Wer sich beim Lesen jedoch eine geschickt konstruierte, handlungsreiche, mit verschiedenen, sich entwickelnden Charakteren eingefädelte Geschichte wünscht, der ist hier im falschen Zimmer. Goldglanzrichtig ist jeder, der Sprache vergöttert und wer nach Leichtigkeit, Lebendigkeit und liebenswürdigen Lebewesen sucht. Weiterlesen