[Rückblende] Lucy Fricke – Durst ist schlimmer als Heimweh // 2007

51GwPSqnC1L._SX301_BO1,204,203,200_Es war schlimm. Rückblickend würde ich sagen, ich habe nur weitergemacht, weil ich das nicht auf mir sitzen lassen konnte. Weil das bitte nicht alles sein durfte. Die Probleme begannen früh und sie begannen natürlich bei mir. Ein Buch zu schreiben, ein Buch zu veröffentlichen, Schriftstellerin zu werden, das war der Traum schlechthin, ein regelrechter Lebenstraum. Wenn sich ein solcher Traum erfüllt, sind die Erwartungen enorm. Das war das erste Problem: Ich hatte gedacht, alles würde sich ändern. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ein Traum sich erfüllen kann und gleichzeitig absolut nichts passiert. Dass die Erfüllung quasi vor einem auf dem Boden herumkriecht. Weiterlesen

[Rückblende] Jan Koneffke – Bergers Fall // 1991

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Jan Koneffke // 2014

Mein Debütroman war kein Debüt. Ich hatte 1988 bereits eine lange Erzählung veröffentlicht, die den doppeldeutigen Titel trug: Vor der Premiere. Doppeldeutig deshalb, weil eigentlich ein Gedichtbuch von mir erwartet wurde, nachdem ich beim Leonce-und-Lena-Wettbewerb ein Jahr zuvor den Hauptpreis erhalten hatte. Der Preis wiederum hatte zur Folge, dass eine Reihe meiner Gedichte in der FAZ erschienen war und mir gleichzeitig mehrere Verlage einen Vertrag anboten. Als sich jedoch absehen ließ, dass ich das Gedichtmanuskript nicht rechtzeitig würde abgeben können, fragte mich der Verleger, Klaus Schöffling (damals Frankfurter Verlagsanstalt, heute Schöffling & Co.), dem ich das „Ja“-Wort gegeben hatte, ob ich nicht auch eine Prosa hätte, die wir vorziehen könnten. Weiterlesen

[Rückblende] Georg Klein – Libidissi //1998 bzw. Barbar Rosa // 1991/2001

1998

Georg Klein // 1998

Da Debüt „Anfang“ heißt, müsste das sogenannte literarische Debüt doch ein bestimmtes Beginnen bezeichnen. Aber was oder wer beginnt hier eigentlich womit? Dass derjenige, der plötzlich als Debütant gehandelt wird, erst vor kurzem mit dem Schreiben begonnen hat, dürfte höchst selten der Fall sein. Fast immer gibt einen Vorlauf, der in der Regel mindestens ein paar Jahre umfasst. Bei mir liegen zwischen den ersten ernsten Schreibversuchen in den mittleren 70er Jahren und der ersten Buchveröffentlichung 1998 sogar mehr als zwei Jahrzehnte. Weiterlesen

[Rückblende] Michael Kumpfmüller – Hampels Fluchten // 2000

Michael Kumpfmüller - Hampels FluchtenDas Debüt ist ein Übergangsritual, so etwas wie die Taufe oder früher die Jugendweihe. Was danach ist, ist vorher nicht gewesen, und was vorher war, kommt danach nicht wieder.
Man ist als Schriftsteller buchstäblich ein anderer Mensch, wenn das erste Buch erschienen ist, man tritt aus den Schubladen heraus in die Welt, ganz gleich, ob die Welt das begrüßt.
Mein Debüt Hampels Fluchten erschien im Sommer 2000. Ich bin mit neununddreißig ein sehr später Debütant gewesen. Ich habe seit meinem sechzehnten Lebensjahr geschrieben, aber erst in meinen Dreißigern machte ich Ernst damit. Man könnte sagen, dass ich bis dahin zuviel Zeit hatte. Weiterlesen

[Rückblende] Ulrike Draesner – Lichtpause // 1998

51SS7DGB0DLIch erinnere mich gern an mein Debüt 1998 mit der Lichtpause, meinem ersten Roman. Und das, obwohl eigentlich alles so lief, wie es niemals laufen sollte. Mit keinem Buch, am allerwenigsten mit einem Debüt.
So geht es schon los: Dieses Debüt war gar nicht mein Debüt. Das war 1995 erschienen, ein Gedichtband. Und so schief ging so weiter: Erscheinen sollte die Lichtpause bei Suhrkamp. Dort geriet sie, oder ich, kurz vor der Drucklegung in einen Lektorenwechsel. Das Programm wurde erst einmal eingefroren. Was ich mir, schlicht finanziell, nicht leisten konnte. So dass ich den Verlag wechselte. Weiterlesen

[Rückblende] Tanja Dückers – Spielzone // 1999

Tanja Dückers - SpielzoneMein erster Roman „Spielzone“ hat mich jahrelang in Anspruch genommen. Ich beneidete Autoren, die ihr Debüt in einem „Schreibrausch“ herunterschreiben konnten, ich habe damals genauso wie heute eher langsam und gründlich gearbeitet. Das Überarbeiten der Kapitel hat länger als das Schreiben gedauert. Auch musste ich viel recherchieren, da mein Roman viele realistische Rekurse auf die Berliner Bezirke Neukölln und Prenzlauer Berg enthielt. Die Recherche machte die halbe Arbeit aus. Als das Buch endlich erschien, war die Publikation für mich keine große Überraschung, weil ich vorher schon zwei Gedichtbände in einem Miniverlag veröffentlicht hatte – und viele Anthologiebeiträge. Sicher an die 20 oder 30. Ich gehörte nicht zu den superjungen Autoren, ich war schon 30, als mein Prosadebüt erschien. Bei den Gedichtbänden (einem deutschen und einem englischen) war ich 28 Jahre alt. Mein erster Verlag war ein Ein-Mann-Unternehmen, der Verlag hieß „Bonsai typArt-Verlag“. Der Name Bonsai war sehr treffend. Weiterlesen