[Rezension] Virginia Woolf – The Voyage Out

Ein Gastbeitrag von Ansgar Skoda

static1.squarespace.comDie Britin Virginia Woolf (1882-1941) gilt als die bedeutendste Autorin der englischen Moderne. Zu ihren bekanntesten Werken gehört die fiktive und utopische Biographie Orlando (1928), die seinen adligen Protagonisten über einen Verlauf von mehreren Jahrhunderte zeigt und nicht altern, jedoch sein Geschlecht wandeln lässt. Im Gegensatz zu ihrem anerkannten Spätwerk wurde Woolfs Romandebüt The Voyage Out (1915) weniger beachtet und oft als komplexes Frühwerk abgetan. Das Debüt der Schriftstellerin, welches bereits eine Vielzahl literarischer Ideen und Themen der Autorin aufzeigt, wird Euch hier vorgestellt. Weiterlesen

[Rezension] Roland Schimmelpfennig – An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Die ganze Stadt in Aufruhr. Die Zeitungen, die Schlagzeilen. Das Lokalfernsehen. Die Nachricht weltweit. Der Berliner Wolf. Völker schaut auf diese Stadt, wie hat sie sich verändert. Dieser Wolf ist ein Berliner.“

Ein bekannter Dramatiker schreibt seinen ersten Roman und landet prompt auf der Nominierungs-Liste zum Preis der Leipziger Buchmesse. Der Titel von auffälliger Länge klingt erstmal vielversprechend: An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Das lässt an Erzählungen denken, denen ein denkwürdiger Tag zugrundeliegt, an ein besonderes Ereignis, das – sei es auch nur im Leben eines Einzelnen – alles verändert… Bei Schimmelpfennig ist es ein Wolf, der sich auf den Weg nach Berlin macht, ebenso wie einige weitere Figuren. schimmelpfennig

Berlin und der Wolf – das sind die beiden verbindenden Motive, um die sich der Reigen verschiedenster Personen im Roman reiht. Da sind die beiden Jugendlichen Elisabeth und Micha, die sich spontan aus der Provinz auf den Weg nach Berlin machen, anstatt morgens den Schulbus zu nehmen. Die Mutter des Mädchens und der Vater des Jungen folgen ihnen unabhängig voneinander nach Berlin, um sie zu finden. Und dann sind da noch das polnische Pärchen Tomasz und Agnieszka. Er fotografiert auf dem Weg nach Berlin den Wolf am Straßenrand, sie ist Putzfrau und verkauft sein Bild an die Zeitung. Die Späti-Besitzer Charly und Jackie spielen noch eine Rolle. Und noch einige weitere Randfiguren. Weiterlesen

[Rezension] Mirna Funk – Winternähe

u1_978-3-10-002419-0Wie es sich anfühlt, heute als Jüdin in Berlin oder Tel Aviv zu leben, darüber schreibt Mirna Funk in ihrem Debütroman. Ihre Protagonistin Lola ist auf Identitätssuche: Wer legt fest, ob man eine jüdische Identität hat? Der orthodoxe Rabbi oder die Geschichte, das Umfeld oder doch man selbst? Lola verlässt Berlin, nachdem sie sich von Antisemiten umgeben fühlt. Kollegen, selbst Freunde und Bekannte, von denen sie es nicht angenommen hätte, offenbaren mit einem Male ihre antisemitischen Gedanken ihr gegenüber, ihr, der Jüdin. In Tel Aviv und in Bangkok sucht Lola nach Identität, Liebe, Halt, Klarheit. Und versucht nebenbei auch noch den verebbten Kontakt zu ihrem Vater Simon wieder aufleben zu lassen.

Lola flüchtet und ist doch eine starke Persönlichkeit: Sie lässt sich nichts gefallen, verharrt nicht passiv in einer ihr zugeschriebenen Rolle, sondern sie wehrt sich. Sie schreit, provoziert, macht sichtbar. Das macht sie zu einer ausgesprochen sympathischen Protagonistin. „Winternähe“ lebt als Geschichte insbesondere durch Lola, ihren Charakter und die Menschen mit denen sie zu tun hat, vor allem Shlomo. Weiterlesen

[Interview] Das Debüt im Gespräch mit Mirna Funk „Winternähe“

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Im Buchmesse-Wahnsinn, zwischen den Verlagsgesprächen, Lesungen und anderen Beschäftigungen haben wir uns am 16.10.2015 zu einer Abendstunde in einem Café mit Mirna Funk getroffen, um über ihren ersten Roman „Winternähe“ zu sprechen. Ein Video zu diesem Gespräch findet ihr in unserem Buchmesse-Beitrag. Da aber die Tonqualität nicht zufriedenstellend ist, haben wir uns entschlossen, dieses Gespräch zu Papier zu bringen. Es wäre nämlich viel zu schade, wenn dieses Gespräch aufgrund schlechter Tonqualität nicht wahrgenommen würde.

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[Unterwegs] lost and found in Frankfurt

Ja, auch wir konnten dem Hype nicht widerstehen und haben uns in den Buchmessenwahnsinn von Frankfurt gestürzt. Wir sind verloren von Verlagsstand zu Verlagsstand getorkelt, haben Clemens J. Setz dabei beobachtet, wie er am 3sat-Stand mit zu hohen Armlehnen hadert, haben Ijoma Mangold im Vorbeigehen gesehen und gedacht, dass er aussieht wie im Fernsehen, wir haben uns beim Bloggertreff mit Keksen und Schlüsselanhängern versorgt und dabei mit großen Augen auf die Masse an Buchbloggern gestarrt.

Und wir haben vier spannende Gespräche mit Romandebütantinnen geführt, an denen wir euch – die den Frankfurter Wahnsinn überlebt oder ignoriert habt – teilhaben lassen wollen. Weiterlesen