„Die langen Arme“ von Sebastian Guhr – unser Vorschlag für die Longlist bei Blogbuster 2018

„Das Debüt“ ist ein Gemeinschaftsprojekt, das sich den neuen Stimmen des Literaturbetriebs widmet. Nun wurden wir dazu eingeladen, selber nach einer solchen zu suchen, und zwar im Rahmen des Blogbuster-Wettbewerbs 2018, dessen Ziel es ist, einem Manuskript zu einer Veröffentlichung zu verhelfen. Bewerben durfte sich bis Ende 2017 jeder/jede, der/die ein fertiges Manuskript in der Schublade hat und vom eigenen Namen auf dem Buchcover träumt. Weiterlesen

[Das Debüt 2017] And the winner is…

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Steffi Roßdeutscher/ © Diogenes Verlag

Es ist endlich soweit. Wir haben uns durch 16.335 Seiten gewühlt, aus 64 Romanen eine Shortlist mit fünf Kandidaten erstellt und diese von den teilnehmenden Bloggern bewerten lassen. Diese Blogger haben sich nun mit ihrer Stimmabgabe entschieden:

Der Preis für den besten Debütroman 2017 geht an Klaus Cäsar Zehrer, der mit insgesamt 46 Punkten für seinen Roman Das Genie das Rennen macht. Wir gratulieren an dieser Stelle herzlich!

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[Das Debüt 2017] Die Shortlist

Wie bereits im letzten Jahr möchten wir uns vor der Verkündung der Shortlist von ganzem Herzen bei allen teilnehmenden Autoren und Verlagen für das entgegengebrachte Vertrauen und die Aufgeschlossenheit gegenüber unserem Literaturpreis bedanken. Es war uns eine große Freude die eingereichten Titel zu lesen!

Nun soll das Warten aber ein Ende haben…

Aus 64 eingereichten Titeln haben wir eine Shortlist erstellt, die fünf Debütromane umfasst. Die Titel sind nach Einreichungsdatum aufgeführt:

Julia Weber – Immer ist alles schön

erschienen im Limmat Verlag

Begründung

Immer ist alles schön ist ein zarter, ja nahezu fragiler Roman über eine Geschwisterliebe, die Unerträgliches aushalten muss. Der Leser begleitet Anais und Bruno dabei, wie sie nach und nach die Realität, die durch die Alkoholsucht ihrer Mutter geprägt ist, hinter sich lassen und in eine Fantasiewelt, in eine von Anais imaginierte „heile“ Welt flüchten. Die Autorin hat ein Händchen für vielschichtige Figurengestaltung, sowohl Anais mit ihrer hyperrealistischen Wahrnehmung als auch die Mutter in ihrer inneren Zerrissenheit sind 9783857918230außergewöhnlich überzeugend dargestellt. Weber setzt gezielt Leerstellen, in denen große Fragen aufleuchten: Wie selbstbestimmt darf die eigene Normalität sein? Im Scheitern der einzelnen Figuren an der gesellschaftlich auferlegten Normalität entfaltet der Roman ein eindrückliches Panorama aus menschlichen Verfehlungen, verlorenen Hoffnungen und erdrückender Liebe. Julia Weber schreibt in einer lyrisch-poetischen Sprache, die neben der präzisen Bildlichkeit auch durch einen unvergleichlichen Klang und Rhythmus auffällt. Es sind die leisen Töne in diesem Roman, die eine ungeahnte Wucht entwickeln und noch lange nachhallen.

Juliana Kálnay – Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens

erschienen im Verlag Klaus Wagenbach

Begründung

Juliana Kálnay entführt mit Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens ihre LeserInnen in eine Welt des magischen Realismus, die sich in einem gewöhnlichen, nicht näher bestimmten Wohnhaus verbirgt: Ein Mann verwandelt sich in einen Baum, eine Frau strickt unermüdlich „Haus-Geschichten“ und ein Wesen namens „Maria“ gräbt Löcher, bis es eines Tages spurlos verschwindet. Sobald es einem 9783803132840gelingt, sich auf die Welt in Kálnays Roman einzulassen und sich selbst von dem Versuch zu befreien, dem Text eine Chronologie und dem Haus eine Struktur aufzwingen zu wollen, eröffnet sich die eigentliche Größe dieses Textes. Der Roman lässt sich nicht auf die Summe seiner Figuren reduzieren. Es ist ein Mosaik aus Figuren, Bildern, Anspielungen und Andeutungen, das immer wieder neu zusammengesetzt und entdeckt werden kann. Die Autorin entwickelt auf eine spielerische Art und Weise ein vielstimmiges Werk, das in Form, Stil und Inhalt bemerkenswert kühn aus der Masse der Neuerscheinungen herausragt.

Klaus Cäsar Zehrer – Das Genie

erschienen im Diogenes Verlag

Begründung

Klaus Cäsar Zehrer debütierte diesen Sommer mit Roman Das Genie. Erzählt wird die Lebensgeschichte von William James Sidis (1898-1944). Sein Vater Boris Sidis, ein bekannter Psychologe, will an William Sidis demonstrieren, dass sich jedes Kind zum Genie erziehen lässt, und entwickelt hierfür ein spezielles Lernprogramm, das als die „Sidis-Methode“ bekannt wird. Das Genie ist im besten Sinne ein klassischer Roman und scheint sich aufgrund seiner Komposition und auktorialen Erzählsituation vor den großen Vorbildern der deutschen oder der russischen das-genie-9783257069983Literatur zu verneigen. Er verneigt sich, ohne in Ehrfurcht zu erstarren, nie ist Das Genie Imitation, sondern immer eigenständiges Werk. Zehrer behält trotz des für einen Debütanten auffallenden Buchumfangs von 600 Seiten stets den Überblick und beweist eine meisterhafte Souveränität im Erzählen. In Zeiten von Selbstoptimierung und Leistungssteigerung hat Zehrer einen brandaktuellen Roman geschrieben, der genau dieses Streben nach Perfektion in Frage stellt. Es ist ein zutiefst menschlicher Roman, ein Roman über den Kampf um Autonomie und Selbstbestimmung, ein Roman über Würde.

Christian Bangel – Oder Florida

erschienen im Piper Verlag

Begründung

Frankfurt (Oder) im Jahre 1998: Eben noch interviewte der zwanzigjährige Matthias Freier Dolly Buster für eine Stadtzeitung und im nächsten Moment wird er zum Pressesprecher des Spitzenkandidaten für das Bürgermeisteramt ernannt. Freier schlittert über das politische Parkett und versuchtcsm_produkt-12999_b48b39d8cb tapfer, das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Dabei will er doch eigentlich nur, dass die Nazis aus seiner Stadt abhauen und seine Exfreundin zu ihm zurückkehrt. Der Roman Oder Florida von Christian Bangel ist ein grandioser Unterhaltungsroman – und noch mehr als das. Es ist ein Roman voller Humor, der manchmal bitter schmeckt. Klug verweist der Autor mit seinem Plot auf aktuelle Ereignisse, Entwicklungen und Tendenzen in Politik und Gesellschaft ohne der Gefahr zu erliegen, die Moralkeule zu schwingen. Er wirft einen scharfen, oftmals schmerzhaften Blick auf das Leben und die Menschen in Ost- und Westdeutschland.

Jovana Reisinger – Still halten

erschienen im Verbrecher Verlag

Begründung

Wenn die Protagonistin von Jovana Reisingers Debütroman eins gelernt hat, dann ist es, Mund und Füße still zu halten. Gesellschaftliche Anforderungen und Rollenzuweisungen geduldig mit einem Lächeln zu ertragen. Nun hat der Arzt ihr „Hirnversagen“ diagnostiziert, ein Jahr hat sie, um sich auszukurieren. Doch an Genesung ist in diesem Roman nicht zu denken. Die Autorin seziert ihre Figur, bis sie sich gänzlich auflöst. Das macht sie in einem ganz und gar eigensinnigen Ton, der zuweilen anstrengend, aber immer bildgewaltig ist. Und gerade das Unbequeme des Tons könnte den Roman nicht besser einrahmen.1727_L In assoziativ-soghaften Gedankenkaskaden folgen wir einer Frau, die an leeren Rollenvorstellungen und gesellschaftlichen Erwartungshaltungen zerbricht. Bezeugt wird der innere Konflikt durch ständige Perspektivwechsel aus subjektiver Innenperspektive und objektiver Außensicht, die den gesamten Text durchziehen. Die Autorin verliert jedoch an keiner Stelle den Faden. Jovana Reisinger beweist mit ihrem Roman nicht nur ihr schriftstellerisches Können, fernab jeglicher Wohlfühlprosa gelingt ihr vor allem ein Debüt, das Mut zum unkonventionellen Erzählen zeigt.

Aus diesen fünf Debütromanen wählen die teilnehmenden Literaturblogger ihren persönlichen Favoriten. Der Roman mit den meisten Stimmen wird als der beste Debütroman 2017 im Rahmen des Bloggerpreises für Literatur gekürt. Der Gewinner wird am 10. Januar auf unserem Blog bekanntgegeben.

Uns interessiert natürlich auch eure Meinung dort draußen. Was haltet ihr von der Liste, welchen Roman hättet ihr die Shortlistnominierung gewünscht, habt ihr bereits Titel der Liste gelesen und wie haben sie euch gefallen? Wir freuen uns auf eure Kommentare.

Zusätzlich gibt es in der Seitenleiste eine Umfrage, bei der ihr bis zum 07. Januar 2018 eure Stimme eurem Favoriten geben könnt. Wir sind gespannt, wen ihr gewählt hättet.

Das Debüt 2017 – Vorstellung der Bloggerjury (Teil 2)

„Das Debüt 2017 – Bloggerpreis für Literatur“ biegt auf die Zielgerade ein. Insgesamt 64 Debütromane wurden eingereicht. Bis Mitte November werden wir aus diesen Titeln eine Shortlist erstellen, und aus dieser Shortlist werden dann die teilnehmenden Juryblogger „Das Debüt 2017“ wählen. Die Jury besteht aus 19 Literaturbloggern, die wir euch nun sehr gerne vorstellen:

Angelika Abels von Angelika liest

Kleine Vorstellung von euch und eurem Blog

Ich bin Angelika (53) und blogge seit Januar 2015. Seit meiner Kindheit liebe ich Bücher und das Lesen über alles. 2015 habe ich dann meine Leidenschaft endlich auch zum Beruf gemacht und verbinde seitdem meinen Blog mit meiner Buchhandlung. Auf meinem Blog findet ihr überwiegend Besprechungen zur Belletristik/ Literatur und Geschichten aus meinem Alltag als Buchhändlerin.

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[Interview] Stephan Lohse

Vor Kurzem habe ich über den Franz-Tumler-Literaturpreis berichtet (hier) sowie über seine nun sechste Preisträgerin, Julia Weber (hier). Heute möchte ich Euch den diesjährigen Publikumspreisträger vorstellen: Stephan Lohse mit Ein fauler Gott .

WP_20170915_19_25_03_Pro(Auf dem Foto werden von Stephan Lohse 20 Exemplare seines Buches als Publikumspreis verlost.)

Stephan Lohse wurde 1964 in Hamburg geboren. Er studierte Schauspiel am Max-Reinhardt-Seminar in Wien und war unter anderem am Thalia Theater, an der Schaubühne in Berlin und am Schauspielhaus in Wien engagiert. Ein fauler Gott ist sein Debütroman. Stephan Lohse lebt in Berlin.  Weiterlesen

Das Debüt 2017 – Vorstellung der Bloggerjury (Teil 1)

„Das Debüt 2017 – Bloggerpreis für Literatur“ biegt auf die Zielgerade ein. Noch bis zum 31. Oktober können sich Verlage mit ihren Debütromanen bewerben – insgesamt 56 Titel wurden bislang eingereicht. Bis Mitte November werden wir aus diesen Titeln eine Shortlist erstellen, und aus dieser Shortlist werden dann die teilnehmenden Juryblogger „Das Debüt 2017“ wählen. Die Jury besteht aus 19 Literaturbloggern, die wir euch nun sehr gerne vorstellen:

Ruth Justen von Ruth liest

Kleine Vorstellung von euch und eurem Blog

Portrait Ruth Justen, Leipzig, 07.06.2017

Solange ich denken kann, lese ich – oder denke ich, weil ich lese? Seit 2012 denke ich auf meinem Literaturblog Ruth liest öffentlich über Literatur nach. Auf dem Blog stelle ich ausgewählte und unterm Strich empfehlenswerte Lektüre als Lesetipp vor. Der Stoff für Bücherträume geht mir dank der vielen Literaturblogger nie aus. Mit ihnen kann ich Einschätzungen der vieldiskutierten Werke austauschen oder erhalte Hinweise auf noch zu bergende literarische Schätze. Dieser Austausch mit anderen Bloggern ist für mich inzwischen unverzichtbar. Seit 2011 bin ich als freie Journalistin in Leipzig tätig. Weiterlesen

[unterwegs] Julia Weber erhält für „Immer ist alles schön“ den Franz-Tumler-Literaturpreis

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Zum sechsten Mal wurde am 15. September 2017, unmittelbar vor der Apfelernte, in Laas, einem Kulturdorf im Oberen Vinschgau (Südtirol), der Franz-Tumler-Literaturpreis ausgetragen, aus dem als Gewinnerin Julia Weber mit Immer ist alles schön (erschienen im Limmat Verlag) hervorging. Den Publikumspreis erhielt Stephan Lohse für Ein fauler Gott. Doch nun der Reihe nach…

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