[Interview] Klaus Cäsar Zehrer

Auch in diesem Jahr möchten wir euch die AutorInnen der Shortlist in Kurzinterviews vorstellen. Das Interview mit Julia Weber wurde bereits im Rahmen der Berichterstattung zum Franz-Tumler-Literaturpreis veröffentlicht. Wir setzen die Reihe mit Klaus Cäsar Zehrer fort, der mit seinem Debütroman Das Genie ins Rennen geht.

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Steffi Roßdeutscher/ © Diogenes Verlag

Klaus Cäsar Zehrer wurde 1969 in Schwabach geboren, promovierte 2002 an der Universität Bremen als Kulturwissenschaftler und lebt heute als freier Autor, Herausgeber und Übersetzer in Berlin. Er veröffentlichte u.a. zusammen mit Robert Gernhardt die Anthologie Hell und Schnell, das Standardwerk der deutschsprachigen komischen Lyrik.  Mit seinem Debütroman stand er in diesem Jahr auf der Shortlist des Bayerischen Buchpreises.


Wie lange hast du an dem Roman gearbeitet?

Den historischen Stoff, die Lebensgeschichte von William James Sidis, habe ich Anfang 2009 entdeckt, also vor rund neun Jahren. Aber die Idee, die Geschichte zu einem Roman zu verarbeiten, kam erst viel später. Fürs Schreiben wollte ich mir ein Jahr nehmen, eine unvorstellbar lange Zeit. Es wurden fünf.

Wie schwierig gestaltete sich die Verlagssuche?

Man darf das gar nicht laut sagen, aber das war eine Sache von wenigen Tagen. Ich hatte eine sehr gute Literaturagentur im Rücken und darüberhinaus unwahrscheinliches Glück.

Was war es für ein Gefühl, dein fertiges Buch in Händen zu halten?das-genie-9783257069983

Ein gemischtes. Jahrelang konnte ich den Text nach Belieben verändern. Man findet ja immer Stellen, mit denen man nicht zufrieden sind, und kann wieder und wieder versuchen, es besser hinzukriegen. Aber irgendwann ist der Zeitpunkt erreicht, da muss man den Luftballon loslassen und kann nur hoffen, dass er fliegt.

Warum schreibst du wie du schreibst?

Weil ich ein ungeduldiger und schlampiger Leser bin, der sich schnell langweilt. Deshalb frage ich mich beim Schreiben bei jedem Satz: Würde ich das selber lesen wollen? Wenn die Antwort Nein lautet, darf ich nicht erwarten, dass es jemand anderes tut.

Wie kann man sich deinen Schreibprozess vorstellen?

Schreiben, umstellen, verknappen, wieder umstellen, eine zweite Variante ausprobieren, etwas hinzufügen, es wieder rausnehmen, umformulieren, erweitern, kürzen, umstellen, umstellen, umstellen, über Nacht liegen lassen, am nächsten Tag ansehen, alles löschen. Geschirr spülen.

Gibt es Autoren oder Bücher, die dich und dein Schreiben beeinflusst haben?

Alle Autoren, denen es gelingt, gleichzeitig leicht und gescheit zu schreiben. Und die die Mühe auf sich nehmen, sich verständlich auszudrücken.

Ist ein weiteres Buch geplant?

Einige. Aber so schnell nicht wieder so ein dickes. 650 Seiten, das ist ja Wahnsinn.


Vorstellung in Büchern:

Nenne ein wichtiges Buch…

… aus deiner Kindheit 418thC4wIrL._SX314_BO1,204,203,200_

Eines der ersten, eindrücklichen Leseerlebnisse, noch vor Schuleintritt: „Das große Heinz-Erhardt-Buch“. So lustig! Und alles gereimt! Sprachmagie! Gotteserscheinung!

… aus deiner Jugend 51zEzoMWlQL._SY394_BO1,204,203,200_

Das Gesamtwerk von Kurt Tucholsky. Nach dem Abi alles weggelesen, jeden kleinen Schnipsel. Unendlich viel dabei gelernt, über Sprache, über Haltung, über Geschichte.

… aus deiner aktuellen Lebensphase 

Überraschenderweise kann ich immer mehr mit Thomas Mann anfangen. Ich glaube, ich werde alt.

… das du dir für die Gegenwartsliteratur wünschen würdest, das aber noch nicht geschrieben wurde.

Eines, das von Heinz Erhardt, Kurt Tucholsky und Thomas Mann gemeinsam verfasst sein könnte. Wie auch immer man sich das vorzustellen hat.


Das Genie (Diogenes Verlag)

Hardcover // 656 Seiten // 25 € // 978-3-257-06998-3

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